Auf meiner Anlage wird durchgängig Schienenmaterial von PECO Code 55 verwendet. Dieses Material aus Großbritannien hat eine ansprechende
Optik durch sein nur etwa 1,4 mm hohes Schienenprofil, und dennoch können alle meine Triebfahrzeuge und Wagen der
Großserienhersteller problemlos darauf fahren. Das ist möglich, weil Peco den Schienenfuß in die Schwellen einspritzt und
die Kleineisenimitation auf der Schieneninnenseite nur angedeutet wird.
Es erscheint zwar anachronistisch, auch im 21. Jahrhundert Selbstverständlichkeiten als
Vorteil herausstellen zu müssen. Aber gegenüber den teilweise über 30 Jahre alten Gleisen der Hersteller aus Deutschland und
Österreich
hat das PECO-Gleissystem (Code 55) eine Reihe von Vorzügen:
Wer also Wert legt auf ein möglichst vorbildnahes Gleisbild, hat derzeit letztlich nur die Wahl: Er kann industriell
gefertigtes Schienenmaterial verwenden, dann findet er nichts Besseres als Peco; zumindest hat sich bei NBahnern nach
meinem Eindruck mehrheitlich diese Meinung herausgebildet. Peco Code 55 ist optisch ansprechend, leicht zu löten und zu pflegen,
und darüber hinaus im Vergleich zu den kontinentalen Herstellern fast unschlagbar preiswert. Dies alles zusammen genommen
kompensiert den kleinen Nachteil, dass der Schwellenabstand des Peco-Gleises im Vergleich zum kontinentalen Vorbild zu
groß ist.
Wer sich hingegen den Selbstbau - gegebenenfalls
mit Hilfe von Fertigteilen und Schablonen einiger Kleinserienhersteller - zutraut, für den ist Code 40 ein Muss - ein Gleis, welches
das Bedürfnis nach Ästhetik noch mehr befriedigt, gibt es zur Zeit nicht.
Eine Anleitung dazu findet man bei
Jens Emmermann.
Für alle, die Code 40 zum Träumen bringt, die sich aber den Selbstbau nicht zutrauen, gibt es bei
Mago finscale auch fertig gebaute Weichen
und Schienen zu kaufen. Die Preise sind allerdings nicht ganz ohne, aber gerechtfertigt. Schließlich muss man berücksichtigen,
dass es sich hierbei nicht um industrielle Serienprodukte in großer Stückzahl handelt, sondern dass jedes Exemplar von Hand
einzeln und exakt nach Vorbildmaßen hergestellt wird.
Einen kleinen Eindruck vom Unterschied Code40 zu Peco Code55 vermitteln diese Bilder
Gleise
Weichen
die Uwe Moser auf seiner website veröffentlicht hat.
Die Weichen von
PECO besitzen ein Herzstück aus Metall, wodurch
gewährleistet wird, dass es auf der gesamten Weiche keine Stromunterbrechung - auch nicht im Bereich des Herzstückes -
gibt. Gewöhnliche Weichen anderer Hersteller weisen im Bereich des Herzstückes noch häufig ein Plastikstück auf,
welches für eine Isolierung der beiden Weichen-Stränge sorgt. Das hat einerseits den Vorteil, dass man sich bei der Verlegung
keine weiteren Gedanken über die Polarität der weiterführenden Schienen machen muss. Der gravierende Nachteil liegt
aber - neben der unsäglichen Optik - darin, dass in diesem Bereich keine Fahrstromversorgung stattfindet, was vor allem Loks mit kurzem Achsstand gern mit
Stehenbleiben quittieren, insbesondere bei Kriechfahrt.
Fleischmann und Trix
bieten zwar seit ein paar Jahren ihre Weichen auch mit Metallherzstück an, aber die Optik dieser Weichen vermag nicht
unbedingt zu überzeugen. Ebensowenig sind die Bogenweichen zu empfehlen. Fleischmann bietet sie nur zur Verbindung von Radius 1
und Radius 2 an, also Radien, die schon aus optischen Gründen aber auch wegen mangelhafter Betriebssicherheit ohnehin ein
Tabu sein sollten. Es leuchtet ein, dass
eine Weichenverbindung zwischen diesen Radien die Betriebssicherheit nicht zu steigern vermag, sondern nach aller Erfahrung
ist eher das Gegenteil der Fall. Und was überhaupt
nicht geht: Die Doppelkreuzungsweichen dieser Hersteller. Das sind wahre Trümmer
und eine optische Beleidigung in jedem Gleisverlauf! Wenn man nicht wüßte, dass das eine DKW sein soll, müsste man rätseln,
was das ist; denn eine Ähnlichkeit mit einer Vorbild-DKW ist nicht im Entferntesten zu erkennen.
| Diese Einfahrt illustriert ein wenig, wie die PECO-Weichen in Verbindung mit Flexgleisen wirken. Dieses Material ermöglicht
jedenfalls ein realistisch wirkendes Gleisbild. Das wird erreicht durch die geringe Profilhöhe,
großzügige Radien der Bogenweichen, unterschiedliche Abzweigradien der übrigen Weichen und den 10° Abzweigwinkel.
Vor allem aber trägt zum optischen Eindruck die
Doppel-Kreuzungs-Weiche bei. Die DKW sämtlicher deutschen Hersteller hingegen erschlagen jedes Gleisbild. Sowohl
aus betriebstechnischer Sicht als auch aus ästhetischen Gründen sollten diese Ungetüme auf keiner Modellbahn mehr
ihren Platz finden dürfen. |
| Ausfahrt Ost auf meiner Anlage (Anklicken für größeres Bild) |
Die 10°-Weichen sind - auch bei Befahren längerer Weichenstraßen - sehr
betriebssicher. Mit den unterschiedlichen Radien lassen sich
schon sehr ansprechende Weichenstraßen bauen, die sich wohltuend von dem häufig uniformen Bild unterscheiden,
das sich bei Verwendung der Einheitsweichen mit 15° Abzweigwinkel und einheitlichem Radius ergibt. Allerdings eignet
sich PECO-Material nicht für einen fliegenden Aufbau, weil - zumindest in Code 55 - nur Flexgleis angeboten wird
(Stand: 2/2008). Siehe auch:
Peco-Gleisgeometrie
Im Grunde ist es ein Trauerspiel: Während bei den Triebfahrzeugen Detailierung und Fahreigenschaften stetig verbessert wurden
(vorläufiger Höhepunkt der Konstrukteurkunst: Fleischmanns BR 70), gab es bei den Gleissystemen weitestgehenden Stillstand, so dass die großenteils
hervorragenden Triebfahrzeuge
weiterhin über technisch und optisch nicht einmal annähernd gleichwertige Gleise rumpeln müssen. Und besonders ärgerlich ist es,
dass diese total veralteten Gleise und Weichen ein Vielfaches von dem kosten, was man für Peco-Material auf den Tisch
legen muss.
Meiner Meinung nach täten daher die hiesigen Modellbahnhersteller gut daran, nicht unnütz in jeweils eigene Gleissysteme
zu investieren (laut Aussage von Herrn Fleischmann auf der Kölner Messe 2006 eine Millioneninvestition).
Besser wäre es doch, wenn sie einheitlich das PECO-System übernähmen und anbieten würden. Das würde dann Peco
sicherlich in die Lage versetzen, noch preiswerter anzubieten und vielleicht auch den einen oder anderen Wunsch der
kontinentalen Modellbahner an das Gleissystem zu erfüllen.