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Ein paar Worte für Einsteiger zu Decodern

So wie es die beiden relevanten Digitalsysteme Selectrix (RMX) und DCC gibt, so gibt es auch SX(RMX)-Decoder und DCC-Decoder. Und wie bei den Zentralen wird auch bei den Decodern gern ausgiebig und heiß darüber gestritten, welche nun die besseren seien. Aus mittlerweile eigener Erfahrung kann ich sagen: Es gibt keine besseren oder schlechteren Decoder, sondern nur solche, die für einen angestrebten Zweck bzw. für eine bestimmte Lok ideal sind, und solche, die es weniger sind. Dank der seit einiger Zeit auf dem Markt befindlichen Multiprotokoll-Zentralen ist diese Diskussion ziemlich überflüssig geworden. Mit diesen Zentralen kann man sowohl DCC- als auch SX-Decoder - auch im Mischbetrieb - problemlos einsetzen.

Ich zähle einmal ein paar Dinge auf, über die ich beim Digitalisieren von Loks aus meinem Bestand "gestolpert" bin. Der Zugewinn an Erfahrung ist dabei gewaltig - zumindest für jemanden, der als "Analogi" zunächst einmal glaubte, er müsse beim Kauf von Loks wegen der Zukunftssicherheit nur darauf achten, ob die Lok über eine Schnittstelle für Decoder verfüge.

Wo ist denn die Schnittstellenbuchse?

Die erste Ernüchterung trat ein, als ich die ersten Fleischmann-Loks mit Decodern ausrüsten wollte. Ich öffnete das Gehäuse einer BR 103 und fand - entgegen der Beschreibung - keine  Schnittstellenbuchse vor. Ich war davon ausgegangen, dass diese stets oben auf der Platine platziert sei, was eine kapitale Fehleinschätzung war. Nach eingehender Betrachtung der Explosionszeichnung (mehr Information dazu gab es von Fleischmann nicht) kam ein Verdacht auf, der dann zur Gewissheit wurde: Die Schnittstellenbuchse ist auf der Unterseite der Platine angebracht worden, wo sie natürlich nicht auf Anhieb zu sehen ist. Also muss die Platine zunächst einmal ausgebaut werden. Dann der Geniestreich: Die Buchsenleiste ist auf der Längsseite der Platine eingebaut worden, d. h. Decoder müssen quer zur Platine eingesteckt werden, was zur Folge hat, dass kein Steckdecoder passt, weil er über den Platinenrand hinausragt. Bei den meisten anderen Fleischmann-Loks, so sie überhaupt über eine Schnittstelle verfügen, befindet sich die NEM-Buchse seitlich am Motorblock, eine wegen der Abmessung ebenfalls äußerst ungünstige Position. Ich habe bisher keinen Decoder gefunden, der unmittelbar in diese Buchse gesteckt werden könnte; alle ragen deutlich über den Platinenrand hinaus. Mit anderen Worten: Man muss trotz vorhandener Schnittstelle einen litzenbewehrten Decoder irgendwo unterbringen und an die Litzen noch einen Stecker anlöten. Eine Schnittstelle aus Lötpunkten wäre hier noch die bessere Lösung gewesen.

Den Vogel schoss bisher Arnold mit dem ICE3 ab. Um an die Schnittstellenbuchse zu gelangen, muss der Motorwagen fast komplett zerlegt werden, weil anders nicht an die unten liegende Platine heranzukommen ist. Der Buchse ein kleines Kläppchen am Boden zu spendieren, war Arnold wohl zu aufwändig. Um die Gewährleistung nicht zu verlieren, kaufte ich Zug und Decoder bei modellbahnshop lippe und bat den Händler, den Decoder gleich einzubauen. Das wurde schnell und kompetent erledigt - zu meiner Überraschung ohne zusätzliches Entgelt!

Beim neuen Piko-Talent2 war dann die Überraschung groß, dass es zwar eine sehr einfach zugängliche Schnittstelle gibt, diese aber nur für einen sogen. PLUX12-Stecker geeignet ist. Allerdings muss ich dennoch Piko loben: Die beiden Motoren, das Dreilicht-Spitzenlicht, das rote Schlusslicht und die Innenbeleuchtung werden durch einen einzigen PLUX12-Decoder (in diesem Falle ein Uhlenbrock 73140) gesteuert, ohne dass es des sonst üblichen Einbaues eines zusätzlichen Funktionsdecoders bedarf. Der Decodereinbau war in zwei Minuten erledigt, weil dafür nur ein kleines Fach im Dach des Triebzuges geöffnet werden muss. Genau so verfuhr Piko auch mit dem Triebzug BR 624, wo der Decodereinbau ebenfalls ohne Abnahme des Gehäuses möglich ist.

Minitrix verbaut seit längerer Zeit eine Schnittstelle nach NEM 651, die zwar im allgemeinen gut zugänglich ist, die aber unter "Digitalos" als Wackeldackel-Schnittstelle verschrien ist. Die Decoderbeinchen werden hier nur von kleinen Metallklammern auf die Schnittstellen-Kontakte gedrückt. Da es keine Norm für die Stärke der Decoderbeinchen gibt, sind Kontaktprobleme vor allem mit dünnen Decoderbeinchen vorprogrammiert. Ich habe diese Metallklammern ausgebaut und die Decoderbeinchen direkt auf die Schnittstellen-Kontakte gelötet. Damit ist zwar ein Decoderaustausch erschwert, dafür laufen die Loks aber auch prima.

Dass man im Zweifel vor dem Kauf auch darauf achten muss, dass das Produkt nicht nur einfach über eine Schnittstelle, sondern über eine NEM-Schnittstelle verfügt, wurde dann beim ET 425 von Kato deutlich. Im Gegensatz zu meinen anderen Kato-Loks wurde der ET425 mit einer speziellen Kato-Schnittstelle ausgeliefert, in die kein hierzulande handelsüblicher Decoder passt. Das bedeutet: Man sucht die übliche Buchse vergeblich. Die nötigen, speziellen Decoder liefert nur Kato. Leider werden insgesamt 7 Decoder benötigt, um denselben Effekt zu erzielen, wie beim Piko-Talent2 mit einem einzigen Decoder. Das geht richtig ins Geld oder: Man greift wieder einmal zum Lötkolben, um einen anderen Decoder einzubauen.

Was gibt es derzeit für Schnittstellen?

Seit einiger Zeit werden über die bisher dominierende NEM 651 hinaus weiter entwickelte Schnittstellen angeboten:

  • NEM 658 "Plux-Schnittstelle Plux 8/12/16/22"
  • NEM 662 "Schnittstelle NEXT 18"
  • MTC 14 von Trix (Spezifikation bisher noch nicht veröffentlicht)

Diese Schnittstellen sind untereinander sämtlich inkompatibel. Es muss also darauf geachtet werden, welche dieser Schnittstellen ein Hersteller bzw. Händler anbietet. Der Hinweis "mit DSS" (= Digitalschnittstelle) oder "mit NEM-Schnittstelle" konnte bisher mit einer Schnittstelle nach NEM 651 assoziiert werden. Das reicht nun keinesfalls mehr aus, wenn man wissen will, ob zu Hause vorrätige Decoder passen werden. Ein klarer Hinweis auf die Art der Schnittstelle (oder die Nennung der entsprechenden NEM) ist absolut notwendig. Zur Zeit ist es auch so, dass noch nicht alle Decoder-Hersteller für jede dieser Schnittstellen Decoder anbieten.

Dann sollte auch noch auf folgendes geachtet werden: Zwar schreibt zum Beispiel NEM 658 die maximale Breite, Länge und Höhe eines Plux-Decoders und die Anordnung der Stecker-pins vor. Aber Piko beachtete dies nicht, so dass z. B. der Plux-Decoder von Lenz nicht in den Aufnahmeschacht der Loks passte. Hier half nur die Beschränkung auf den entsprechenden Uhlenbrock-Decoder, der wiederum die vorgegebenen Maße unterschreitet, so dass er deshalb passte.

Die Abmessungen der Decoder

Trotz der inzwischen sehr kleinen Decoder, die für N-Loks geeignet sind, gibt es immer wieder Platzprobleme in der einen oder anderen Lok. Das liegt vor allem daran, dass die NEM 651 leider keinen Einbauraum und damit die max. erlaubten Abmessungen eines Decoders definiert. So produzieren die Fahrzeughersteller häufig Fahrzeuge, die, um Platz für einen Decoder zu schaffen, erst mit dem Frässtift bearbeitet werden müssen, obwohl die Aussage "mit NEM-Schnittstelle" suggeriert, man könne einen Decoder flott und ohne weitere (gewährleistungszerstörenden) Maßnahmen einfach in die Buchse einschieben.

Ich hatte eine Anzahl Steck-Decoder RMX990A gekauft, mit denen ich auch zufrieden bin. Aber bei einer Reihe von Fleischmann-Loks sind die üblichen Steckdecoder nicht zu gebrauchen, weil Fleischmann, wie weiter oben geschildert, die Schnittstelle seitlich am Motorblock oder gar auf der Platinenunterseite platzierte. In beiden Fällen sind die Decoder viel zu lang, um dort eingebaut werden zu können. Hier muss dann auf die Decodertypen mit Anschlusslitze zurückgegriffen werden, was das Anlöten eines NEM-Steckers (Rastermaß 1,27 mm) erforderlich macht. Es gibt zwar Litzen-Decoder, die am Litzenende mit einem Stecker ausgestattet sind. Aber i.d.R. sind die Litzen, je nach Lok, zu lang. Die Litzen müssen dann gekürzt und ein neuer Stecker angelötet werden. Im Zweifel muss mit einer Fräse auch noch Einbauraum für den Decoder geschaffen werden.

Bei zwei meiner Loks machte die Abmessung dieser Decoder aus anderen Gründen Probleme. Die CLASS66 von Kato weist zwar eine ordentliche NEM-Buchse auf, aber die sitzt so ungünstig, dass der eingesteckte Decoder selbst mit auf Minimum gekürzten "Beinchen" den darunter liegenden Schacht, aus dem das Licht auf den Lichtleiter gelenkt wird, überdeckt.

Die G1206 von Piko ist so konstruiert, dass die Zuleitungen für das Spitzenlicht über den Decoder führen. Auch hier war der RMX990A zu lang, so dass die Spitzenbeleuchtung nicht mehr gerade eingesteckt werden konnte. Abhilfe schafft hier entweder nur ein Decoder, der in seinen Abmessungen kleiner ist, oder man baut die NEM-Buchse aus und greift zum Lötkolben, was aber kaum Sinn der Sache mit der NEM-Buchse sein kann.

In diesen beiden Fällen griff ich dann auf den Decoder Lenz silver mini+ zurück. Dessen Abmessung ist recht günstig, so dass mit diesem Decoder bei Platzproblemen agiert werden kann.

Die Decoder-Einstellungen

Decoder müssen vom Modellbahner "programmiert" werden, was übrigens begrifflich falsch ist; denn das Programm im Decoder programmiert der Hersteller, während der Anwender auf Programmeigenschaften mittels einstellbarer Variabler, den CV (configuration variables), Einfluss nimmt. Mit anderen Worten: Eigenschaften, die das Programm des Decoders nicht hat, kann der Benutzer auch nicht hinzuprogrammieren.

Nun muss man wissen, dass ein gewisser Teil der CV von jedem Hersteller anders belegt wird. So gibt es für DCC-Decoder seitens der NMRA nur folgende verbindliche Festlegungen (Quelle: http://www.nmra.org/standards/DCC/standards_rps/RP-9.2.2%202007%20July.pdf ):

  • cv 1 = Adresse
  • cv 7 + 8 = Programmversion + Hersteller-Kennung
  • cv 29 = Konfigurations-Variable

Als dringend empfohlen (aber nicht zwingend) werden

  • cv 2 = Mindest-Fahrstufe
  • cv 3 = Beschleunigungszeit
  • cv 4 = Bremszeit

aufgeführt.

Weitere cv kann ein Hersteller verwenden, aber er muss es nicht. Wenn er sie verwendet, muss er sie innerhalb eines bestimmten Bereiches so verwenden, wie es der Norm entspricht. So finden sich bei den meisten DCC-Decodern noch folgende einheitliche Belegungen:

  • cv 5 = maximale Geschwindigkeit
  • cv 6 = mittlere Geschwindigkeit
  • cv 17 + 18 = Adressen > 127
  • cv 33 - 46 = Funktionen (z. B. Licht)

CV 47 - 64 und cv 112 - 256 belegen die Hersteller mit unterschiedlichen Parametern, um individuelle Funktionen des Decoders einstellen zu können. Hier hilft also nur ein Blick in die jeweilige Hersteller-Beschreibung.

Beispiel: cv 50 bei Lenz = Motorkonfiguration, cv 50 bei Uhlenbrock = Dimmung Licht.

Cv 67 - 94 wird wiederum von allen für eine manuell einzutragende Geschwindigkeitskennlinie benutzt, sofern der Decoder diese Funktion bietet.

Bei den RMX-Decodern oder denen von Doehler & Haass ist es noch etwas komplizierter, da es sich um sogenannte Multiprotokoll-Decoder handelt, die sowohl SX1 als auch SX2 und DCC können. Erstaunlicherweise werden für SX2 nicht die cv genutzt, die für DCC implementiert sind, sondern eigene Parameter (par0xx). So liegt die Beschleunigungszeit auf par011, bei DCC auf cv 3. Wenn man verschiedene Decodertypen benutzt, dann muss man jeweils schon ein wenig umdenken, um nicht die gewünschten Werte an der falschen Stelle einzugeben.

 

 
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