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Das Einmessen von Loks mit Traincontoller

Eine der besonderen Stärken von TraincontrollerTM ist die Zeit-Weg-Berechnung, die für jedes Triebfahrzeug individuell möglich ist. Damit wird erreicht, dass prinzipiell jeder Block mit nur einem  physischen Belegtmelder (Kontaktmelder) ausgestattet sein muss. Im Block selbst wird einmalig seine exakte Länge in cm eingetragen, sowie Markierungen für Brems- und Haltepunkte (wobei im Bedarfsfall mehrere solcher Markierungen für verschiedene Arten von Triebsfahrzeugen eingerichtet werden können). Siehe hierzu auch meinen Beitrag Belegtmelder

Damit TraincontrollerTM richtig rechnen und dafür sorgen kann, dass jedes Triebfahrzeug in jedem Block korrekt am vorgesehenen Punkt sanft zum Stehen kommt, ist es notwendig, jedes einzelne Triebfahrzeug "einzumessen", d. h. dem Programm die Möglichkeit zu geben, die einzelnen Triebfahrzeuge hinsichtlich ihres Lauf- und Bremsverhaltens "kennen zu lernen". Grundsätzlich gilt: TraincontrollerTM arbeitet mit Geschwindigkeitseinstellungen auf Basis km/h, womit ohne großen Aufwand ermöglicht wird, realitätsgetreue Geschwindigkeiten für die Triebfahrzeuge vorzugeben.


Dieses Einmessen geschieht in mehreren Schritten, die man sorgfältig vorbereiten und einhalten sollte.

  1. Exakte Parametrierung der Lok-Decoder (meistens als "Programmierung" bezeichnet).
  2. Einrichten der Mess-Strecke
  3. Ermittlung der max. Geschwindigkeit des Triebfahrzeuges
  4. Einstellung und Durchführung der Messfahrten
  5. Einstellung des Bremsausgleiches

Das Einmessen funktioniert sowohl mit Mess-Strecken auf Basis Dauerkontakt als auch mit Momentkontakten. Ich beschreibe hier meine persönlichen Erfahrungen, wobei ich auf meiner gesamten Anlage ausschließlich mit Dauerkontakten als Belegtmelder arbeite. Da ich keine Erfahrung mit Momentkontakten habe, beschränkt sich die nachfolgende Beschreibung auf das Messen mit Hilfe von Dauerkontakten.

Exakte Parametrierung der Lok-Dekoder

Es versteht sich von selbst, dass eine Lok qua Decoder zunächst einmal so eingestellt worden sein sollte, dass sie ihr bestmögliches Fahrverhalten an den Tag legt, d. h. dass die optimale Motorregelung entsprechend den Vorgaben des jeweiligen Decoder-Herstellers gewählt wurde, und dass die drei - in meinen Augen - wichtigsten Parameter korrekt eingestellt sind: Die minimale Geschwindigkeit (also die, bei der die Lok gerade so eben ruckfrei fährt), die maximale Geschwindigkeit (also die, die dem Loktyp angemessen ist) und die mittlere Geschwindigkeit, die insbesondere für den gewünschten Verlauf der Beschleunigung bzw. des Abbremsens verantwortlich ist. Die Parameter für Anfahr- und Bremsverzögerung sollten auf relativ geringe Werte eingestellt werden; denn TraincontrollerTM steuert dann um so zuverlässiger das Anfahr- und Abbremsverhalten.

Einrichten der Mess-Strecke

Für das Einmessen muss entweder separat oder irgendwo - möglichst gut zugänglich - auf der Anlage eine Mess-Strecke eingerichtet worden sein. Diese Mess-Strecke besteht aus drei Meldeabschnitten

  1. Startabschnitt
  2. Mess-Abschnitt
  3. Auslauf-Abschnitt

Ich benutze dafür drei Blöcke, die in meiner Schattenbahnhofs-Ausfahrt liegen, und die über die nötigen Längen verfügen. Der Mess-Abschnitt könnte auch kürzer sein, aber der Block hat nun mal seine Länge, und es schadet nicht, wenn die Mess-Strecke etwas länger ist. Die Einmessfahrten dauern dann natürlich länger an, aber das Ergebnis ist dafür umso genauer. Mein Messabschnitt ist eine Gerade, während Start- und Auslaufabschnitt im Bogen (r = 400 mm) liegen.

 

Die Abschnitte werden später programmgesteuert von dem dort aufgestellten Triebfahrzeug so lange vorwärts und rückwärts mit regelmäßig steigenden Fahrstufeneinstellungen durchfahren, bis die eingestellte vmax erreicht ist. Das Programm erkennt, wenn die Lok aus dem Start-Abschnitt in die Mess-Strecke einfährt und dort eine Belegtmeldung auslöst. Ebenso erkennt es, wenn die Belegtmeldung der Mess-Strecke erlischt. Es hat dann ermittelt, wieviel Zeit für das Durchfahren der Mess-Strecke benötigt wurde und speichert die so ermittelten Werte pro Lok. Damit weiß das Programm in Zukunft, welche Werte dem Decoder übermittelt werden müssen, um eine gewünschte Geschwindigkeit in km/h zu erreichen.

Start- und Auslaufabschnitt sollten großzügig bemessen sein, weil die Lok vor allem in den höheren Fahrstufen einiges an Weg zurücklegt, bis sie abgebremst wird (sie muss ja zunächst einmal vollständig aus der Mess-Strecke ausgefahren sein, bevor sie abgebremst werden kann). Auf meiner Anlage sind diese Abschnitte so lang, dass sie auch Triebzüge (wie z. B. LINT, FLIRT, TALENT) aufnehmen können, die i.d.R. "am Stück" eingemessen werden.

Ermittlung der max. Geschwindigkeit des Triebfahrzeuges

Um vorbildgerecht fahren zu können, sollte die max. Geschwindigkeit des einzumessenden Triebfahrzeuges festgelegt werden (für eine BR 194 sind das z. B. 120 km/h). Dazu ruft man über den Lokführerstand oder aber über das Fenster Loks + Züge das Eigenschaftsfenster der Lok auf. Über den Reiter Antrieb erreicht man die Dialoge für das Einmessen. Zunächst trägt man die maximale Geschwindigkeit ein, die das Modell fahren soll (meistens orientiert an der vmax des Vorbildes), und zwar für die Vorwärts- und die Rückwärtsrichtung. Ganz wichtig ist die Wahl des richtigen Modellmaßstabes, damit das Programm die Geschwindigkeit richtig umrechnet. Über den Schieberegler Beschleunigung kann man das Anfahrverhalten,  d. h. die Geschwindigkeitsberechnung beeinflussen, der Regler Verzögerung wirkt nur bei Steuerung der Lok über den Lokführerstand oder einen Handregler, nicht im Automatikbetrieb.

Der Wert vmax sollte im Decoder in CV5 (DCC) bzw. par013 (SX2) bereits in etwa vorbildgerecht eingestellt worden sein. Um die volle Bandbreite der Fahrstufen (28 oder 128) nutzen zu können, ist es ratsam, vor dem Einmessen zu ermitteln, ob mit der gewählten Einstellung die oben erwähnte BR 194 maximal exakt 120 km/h schnell ist. Dazu stellt man die Lok in den Startabschnitt der Messstrecke. Dann klickt man auf Automatikbetrieb, und es öffnet sich das nächste Fenster.

Die Einstellmöglichkeiten in diesem Fenster bleiben unbeachtet; sie gelten nur, falls man ein Fahrzeug nicht einmessen möchte. Unten links setzt man das Häkchen und klickt auf Erweitertes Fein-Tuning. Danach erscheint das Mess-Fenster. Gegebenenfalls muss noch der Reiter Geschwindigkeitsprofil angeklickt werden.

In diesem Fenster stellt man nun oben links die Parameter Länge (des Messabschnittes), Auslauf und Pause ein, ferner die Blöcke Start, Mitte (= Messstrecke) und Ziel. Damit ist die Messstrecke beschrieben.

Nun wird der Parameter Messung eingestellt, d. h. die Messmethode (Punkt- oder Dauerkontakt), in diesem Fall das Symbol 1x  als Kennzeichnung für Geschwindigkeitsmessung. Dann zieht man den blauen Regler nach rechts und klickt auf Start. Die Lok setzt sich in Bewegung und befährt 1 x die Messstrecke mit Maximalgeschwindigkeit. Dabei wird von Traincontroller gemessen, wie schnell die Lok unterwegs ist. Nach dem Ende der Messfahrt erscheint eine Anzeige mit der gemessenen Geschwindigkeit in km/h.

Im Fall der BR 194 ist die Geschwindigkeit also 5 km/h höher als gewünscht. Das kann man so lassen. Bei einer größeren Abweichung wird ansonsten der Parameter CV5 / par013 nach unten oder oben etwas verändert und eine erneute Messfahrt gestartet. Das wird solange wiederholt, bis die gemessene Geschwindigkeit der bereits eingestellten Vorbildgeschwindigkeit entspricht. Damit ist sichergestellt, dass TraincontrollerTM beim folgenden Einmessen die gewünschte vmax mit der höchstmöglichen Geschwindigkeitsstufe (28 oder 128) des Decoders erreicht. Der mögliche Regelbereich wird damit vollständig ausgenutzt.

Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Regelbereiches

Was bedeutet das? Im Decoder könnte z. B. eine vmax eingestellt sein, mit der die Lok 160 km/h fahren könnte. Da unabhängig von der eingestellten vmax immer dieselbe Anzahl von Fahrstufen zur Verfügung steht, wird die Lok z. B. in Fahrstufe 10 schneller fahren, als wenn eine vmax von 120 km/h eingestellt worden wäre. TraincontrollerTM hat im Fenster weiter oben mitgeteilt bekommen, dass die Lok max. 120 km/h schnell sein soll. Da TraincontrollerTM bei der Messfahrt misst, wie schnell die Lok bei einer bestimmten Fahrstufeneinstellung unterwegs ist, wird folgerichtig mit weniger als 28 (128) Fahrstufen die Vorbildgeschwindigkeit erreicht sein. Der Rest des Regelbereiches wird damit nicht genutzt. Die Beschleunigung bis zur vmax verteilt sich dann über weniger Fahrstufen. Wenn aber die im Decoder eingestellt vmax mit der in Traincontroller vorgegebenen übereinstimmt, kann der volle zur Verfügung stehende Regelbereich genutzt werden. Das führt zu einer weicheren Beschleunigung; man kann die Fahrstufenänderungen mit zunehmender Geschwindigkeit in der Regel nicht mehr wahrnehmen, während im anderen Fall das unerwünschte Rucken während einer Beschleunigung auftreten kann.

Siehe auch: Decoder_Geschwindigkeitsprofil
                    Decoder_Bremsverzoegerung


Einstellung der Messfahrt

Zunächst ruft man über den Reiter Kriechgeschwindigkeit das entsprechende Fenster für deren Einstellung auf.

Mit Hilfe des grünen Reglers auf der rechten Seite stellt man die auf dem Gleis stehende Lok für beide Richtungen so ein, dass sie sich so eben ruckfrei bewegt. Danach wird der Button Speichern gedrückt. Mit dieser Kriechgeschwindigkeit sollte Traincontroller die folgende Messfahrt beginnen.

Danach ruft man wieder das Geschwindigkeitsprofil auf. Man fährt die Lok in den Startabschnitt zurück und stellt nun im Messfenster den Parameter Messung auf Messfahrt mit Dauerkontakt ein (Symbol Nx).

Danach klickt man auf Start. Die Lok durchfährt nun mit Kriechgeschwindigkeit den gesamten Messbereich. Sobald der Messabschnitt (im Fenster mit Mitte bezeichnet) eine Belegung feststellt, beginnt die Messung. Bei wohl allen  Loks liegt der Kontaktpunkt - also die erste leitende Achse der Lok - ein paar Zentimeter hinter den Puffern.



Diese Distanz sollte man unten als Kontaktpunkt eintragen, damit TraincontrollerTM weiß, dass ein Teil der Lok in den folgenden Block ragen würde, während die Räder erst an der Blockgrenze angekommen sind. Die angegebene Distanz wird daher beim Abbremsen berücksichtigt. (Das ist vor allem wichtig, um eine Lok exakt vor einem Signal anhalten zu können, aber auch, um zu vermeiden, dass eine Lok in einen besetzten Folgeblock rutscht).

Wenn die Lok den Messabschnitt verlassen hat (in dem mit Ziel bezeichneten Block angekommen ist), wird die Messung beendet. Sobald die Lok im Zielabschnitt zum Stehen gekommen ist, schaltet TraincontrollerTM die Fahrtrichtung um und befährt nun rückwärts den Messabschnitt. Das Hin- und Herfahren wiederholt sich mit steigender Fahrstufenzahl so lange, bis die eingestellte vmax erreicht ist. Bei jeder Fahrt "notiert" Traincontroller in der Mess-Grafik mit einem Punkt die ermittelte Geschwindigkeit in der jeweils eingestellten Fahrstufe. Daraus ergibt sich dann eine Beschleunigungs-Kennlinie.

Falls die Kennlinie nicht wunschgemäß ausfällt, müssen ggf. die Werte im Decoder nochmals verändert werden. In der Regel sind die Werte für vmin, vmax und vor allem vmid (CV 6 bei DCC) entsprechend der Decoderbeschreibung anzupassen. Oder man stellt im Decoder - sofern möglich - für jede Geschwindigkeitsstufe einen eigenen Wert ein. Nach jeder Änderung dieser Decodereinstellungen muss das Einmessen wiederholt werden.

Hinweis: Die Lok darf nach dem Umschalten der Fahrtrichtung immer erst dann wieder losfahren, wenn der Melder des Messbereiches ausgeschaltet wurde. Darum wird unter Pause ein Wert eingetragen, der sicherstellt, dass der Melder nicht mehr meldet.

Bremsausgleich

Ein Bremsausgleich muss eingestellt werden, wenn die Eigenheiten einer Lok (Getriebe, Schwungmasse, Decoder) dazu führen, dass nach dem Einmessen die Lok beim Abbremsen über die Blockgrenze hinausfährt.

Nachdem die Lok eingemessen worden ist, wird die Lok daher in den Startbereich gefahren und unter Messung das Symbol für den Bremsausgleich eingestellt.

Die Werte für den Bremsausgleich sollten zunächst auf Null stehen, d. h. es ist kein Bremsausgleich wirksam. Nun wird mit Hilfe des blauen Reglers eine Durchschnittsgeschwindigkeit eingestellt, mit der die Lok in etwa in Blöcke einfährt. Dabei sollte die Lok so im Startbereich positioniert sein, dass sie bei Erreichen des Messabschnittes die voreingestellte Geschwindigkeit erreicht hat. Danach wird die Messfahrt mit Klick auf Start gestartet. Die Lok fährt los und wird im Messbereich so abgebremst, dass sie an der Blockgrenze zum Stehen gekommen sein sollte. Fuhr sie über die Blockgrenze hinaus, wird für den Bremsausgleich ein Wert eingetragen, der je nachdem, wie weit die Lok über die Blockgrenze hinausfuhr, größer oder kleiner sein sollte. Es gibt keine festen Werte hierfür, sondern der richtige Wert muss mit Messfahrten ermittelt werden. Hält die Lok zu früh, muss der Wert verringert werden, hält sie zu spät, wird der Wert erhöht. Bitte beachten: Es handelt sich bei den Werten für den Bremsausgleich nicht um cm-Angaben, sondern eher um den Grad der Intensität des Abbremsens.

 

 

 

 
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