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Ist das Modellbahnhobby zu teuer?

 

In verschiedenen Modellbahnforen flammen immer wieder heftige Diskussionen über die aktuellen Preise für Modellbahnen bzw. über die Preisentwicklung in den letzten Jahren auf, namentlich für Triebfahrzeuge. Insbesondere wird dabei häufig behauptet, die Preise hätten sich vor allem in den letzten 5 bis 10 Jahren nahezu verdoppelt, man könne sich das Modellbahnhobby bald nicht mehr leisten und überhaupt, die Hersteller verlangten völlig überzogene Preise. Ich habe eigentlich nie oder nur in Ausnahmefällen erlebt, dass solche Aussagen konkret belegt werden. Eher wird hier nach meinem Eindruck ein diffuses Bauchgefühl gepflegt. Allenfalls werden als Beleg die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller ins Feld geführt, was aus meiner Sicht blanker Unsinn ist; denn wer kauft etwas zu UVP? Was zählt, ist der Marktpreis. (Wobei allerdings gesagt werden muss, dass aber z. B. Fleischmann gerade in jüngster Zeit selbst treue Anhänger der Marke gegen sich aufbringt, indem UVP veröffentlicht werden, die schon provokativ wirken können, gerade vor dem Hintergrund, dass solche Preise selbst unter Berücksichtigung relativ hoher Rabatte bei weitem nicht am Markt für größere Stückzahlen erzielbar sein werden).

Generell kann ich persönlich aber weder etwas mit solchen Bauchgefühlen anfangen, noch gar mit den UVP. Ich halte mich lieber an Fakten, und das sind nun mal die - von den UVP deutlich nach unten abweichenden - Marktpreise. Deshalb habe ich in meine Modelldatenbank eine Statistik eingefügt, die es schnell ermöglicht, den eigenen Bestand mit den tatsächlich gezahlten Kaufpreisen nach Preisgruppen zu kategorisieren und die Anteile der Preisgruppen am gesamten Einkauf zu ermitteln. Dabei wollte ich auch wissen, wie sich die Preise bei den einzelnen Traktionsarten verhielten; denn eigentlich war zu erwarten, dass Dampfloks mit Abstand die Preisstatistik anführen würden, gefolgt von den E-Loks. Hier zeigte sich aber, dass auch meine Dampfloks überwiegend im Bereich bis 150 EUR zu finden sind, und zwar - bis auf zwei - ausschließlich Loks aus der Fertigung von Fleischmann, der Firma, die bislang unbestritten die Nr. 1 bei Qualitäts-Dampfern war.

In meinem eigenen Fall zeigte sich auch, dass immerhin deutlich über 50 % aller Einkäufe fabrikneuer Loks im Bereich bis 100 EUR stattfanden, deutlich weniger Einkäufe sich im Bereich bis 200 EUR bewegten und nur ein einziger über 200 EUR lag. Kein einziger Einkauf lag über EUR 250. Ohne Anspruch auf Repräsentanz zu erheben glaube ich aufgrund dessen sagen zu können, dass die Preise der letzten Jahre insgesamt weit entfernt sind von den häufig behaupteten Größenordnungen wie "ein halber Tausender" oder "Lok im Wert einer Monatsmiete" oder ganz pauschal "Mondpreise". Wer so etwas behauptet, ignoriert schlichtweg, dass gerade in den letzten zwei Jahren viele namhafte und seriöse Internethändler, die sämtlich auch über durchaus ordentliche Ladengeschäfte verfügen (also keine sogenannten "Garagenhändler" sind), Triebfahrzeuge zu moderaten Preisen, mitunter sogar zu Schnäppchenpreisen im Angebot hatten bzw. immer noch haben.

Natürlich sollte beachtet werden, dass Vorbestellungen nach Hersteller-Ankündigungen tabu sein müssen. Ebenso sollte man den "Sofort-Haben-Müssen"-Impuls unterdrücken. Da wir alle i.d.R. über genügend Loks verfügen, ist es ja eigentlich egal, ob man eine Neuerscheinung nun etwas früher oder später sein Eigen nennt. Jedenfalls haben die letzten Jahre gezeigt, dass noch alles in irgendwelchen Abverkaufsaktionen fabrikneu zu akzeptablen Preisen zu bekommen ist. Wer zu früh kaufte, hat es sehr häufig bereuen müssen, wenn eine scheinbar preiswerte Lok deutlich unter dem Vorab-Bestell-Preis bzw. mitunter mehr als 50 % unter dem UVP im Markt erschien. Unser Kaufverhalten sollte sich unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten der Preispolitik der Hersteller anpassen. Modellbahnkauf hat sich leider zu einem Spekulationsgeschäft à la baisse entwickelt.

Hier ein paar Beispiele für fabrikneue Loks (und das Verhältnis Kaufpreis zu irrealem UVP):

 

BR 56 von Fleischmann (Produktion 2003 mit schlankem Gestänge), mit KKK, NEM-Kupplungsschacht und Fleischmann-Kurzkupplungskopf
EUR 77,--  (UVP: 269,--)

Gekauft bei Licht in Münster
BR 052 von Fleischmann (Produktion 2004, werksseitig gealtert), 5-poliger Motor mit Schwungmasse, mit KKK, NEM-Kupplungsschacht und Fleischmann-Kurzkupplungskopf
EUR 135,--  (UVP: 259,--)

Gekauft bei Müller in Karlsruhe

BR 01 von Arnold (Produktion 2009), 5-poliger Motor mit Schwungmasse, Digitalschnittstelle NEM 651, LED-Beleuchtung m. Fahrtrichtung wechselnd
EUR 99,90  (UVP: 263,--) 

Gekauft bei G. Motyl, Warburg

BR 80 von Roco (Produktion 1980)
umgerechnet EUR 30,-- bei Kauf 1980 in Innsbruck.

Die Lok aus neuerer Produktion wird - mit etwas verfeinerter Steuerung und Gestänge - von einigen Händlern zwischen 35,-- und 40,-- EUR angeboten. Das bedeutet eine Preissteigerung zwischen 16 % und 33 % innerhalb von 29 Jahren! Das dürfte kaum zu beanstanden sein.
BR 141 von Fleischmann (Produktion ca. 2002)
mit Schwungmasse, Standardkupplung und NEM-Kupplungsschacht
EUR 84,--   (UVP: 179,--)

Gekauft bei Notzon in Berlin
BR 194 von Fleischmann (Produktion ca. 2006),
5-poliger Motor mit 2 Schwungmassen, KKK mit NEM-Kupplungsschacht, Digitalschnittstelle NEM 651
EUR 116,--  (UVP: 229,--)

Gekauft bei modellbaushop Sebnitz
BR 151 von Fleischmann (Produktion 2003) mit Schwungmasse, Standardkupplung und NEM-Kupplungsschacht,
EUR 70,--  (UVP: 195,--)

Gekauft bei johnvandamme
BR 101 von Roco (Produktion 2008), 5-poliger Motor mit 2 Schwungmassen, Standardkupplung, Digitalschnittstelle NEM 651
EUR 30,--  (UVP: 84,--)

Gekauft bei Grahmann/Mannstein Oelsnitz
BR 216 von Brawa (Produktion 2005) 5-poliger, schräggenuteter Motor, Standardkupplung und NEM-Kupplungsschacht, Digitalschnittstelle NEM 651
EUR 67,--  (UVP: 99,90)

Gekauft bei Kramm in Hilden
MaK 32 "Dortmunder Eisenbahn" von Trix
(Produktion 2002) KKK mit NEM-Kupplungsschacht, Digitalschnittstelle NEM 651, Sondermodell "Vom Erz zum Stahl", das nur in einer Auflage von 2002 Stück hergestellt wurde.
EUR 49,--  (UVP: 149,--)

Gekauft bei Diener in Gummersbach
ETA 180 von Roco (Produktion 2007)
Motor mit Schwungmasse, Standardkupplung
EUR 29,--  (UVP: 70,--)

Gekauft bei eisenbahntom in Bottrop
BR 223 WLE von Fleischmann (Produktion 2009)
5-poliger Motor mit Schwungmasse, KKK mit NEM-Kupplungsschacht, Digitalschnittstelle NEM 651
EUR 81,--  (UVP: 179,--)

Gekauft bei Kramm in Hilden



Diese beispielhaft aufgeführten Loks sind - mit Ausnahme der Roco BR 80 - beileibe keine alten "Möhrchen"; sie entsprechen weitestgehend dem Stand der Technik, und vor allem: Sie laufen allesamt butterweich und lassen sich hervorragend, auch mit Schleichgeschwindigkeit, steuern. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier absolut.

Es zeigt sich also, dass man sich durchaus zu moderaten Preisen mit Modellfahrzeugen in bester Qualität eindecken kann. Es ist natürlich klar, dass man gegebenenfalls tiefer in die Tasche greifen muss, wenn man unbedingt eine ganz bestimmte Lok besitzen möchte, die am Markt gerade eben nicht zu günstigen Preisen verfügbar ist. So ärgerlich es für den Einzelnen sein mag: Man sollte keinen Hersteller dafür kritisieren, dass er nicht das spezielle Wunschmodell des einen oder anderen Modellbahners - natürlich in allerbester Qualität - zu einem Preis anbietet, den sich genau diese Modellbahner maximal leisten können (oder wollen). Es ist, wie immer im Leben: Man muss wohl oder übel, auch beim Hobby, seine Wünsche nach den persönlichen Möglichkeiten richten. Hinzu kommt noch, dass man sich im Zweifel auch zu akzeptablen Preisen auf dem florierenden Gebrauchtmarkt mit neuwertigen Modellen eindecken kann.

Natürlich setze ich voraus, dass man sich der Mühe von Preisvergleichen unterzieht.

Interessant war es im Übrigen auch, zu sehen, dass im Vergleich zu früheren Jahren (mit z. T. auf EUR umgerechneten DM-Kaufpreisen) die häufig behauptete, exorbitante Preissteigerung in der Breite nicht stattfand - wenn man die üblichen Preissteigerungsraten für alle Güter und Dienstleistungen berücksichtigt.

Wie mir die Auswertung meines Bestandes - eingeschränkt auf die vergangenen 5 Jahre, innerhalb derer die Preise angeblich besonders stark stiegen - bereits zeigt, ist aber die Ausübung unseres Modellbahnhobbys auch für Modellbahner mit schmalerem Geldbeutel prinzipiell möglich. In diesem Zeitraum blieben 90 % aller Anschaffungen im Preisrahmen bis 150 EUR, 60 % sogar im Bereich bis 100 EUR; ein Drittel bewegte sich gar im Rahmen bis 50 EUR. Im Durchschnitt kostete jedes meiner fabrikneuen Triebfahrzeuge in den letzten 5 Jahren 94,-- EUR.

Die in der ModellDB enthaltene Statistik ermöglicht jedenfalls einen Überblick, auch über Jahre hinweg. Die folgende Tabelle zeigt nur die Beschaffung von Neuware, die ich allesamt von seriösen Händlern - gelegentlich im Laden, meistens per Internet, nie auf Börsen - erwarb.



Diese Statistik ist Bestandteil der ModellDB, die jedem Interessierten unter Download kostenlos zur Verfügung steht.

Vorab kann man sich auch in der on-line-Hilfe orientieren.

 

 

 
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