Beim großen Vorbild müssen neue Züge Probefahrten absolvieren, ebenso wie umgebaute oder aus dem BW kommende Fahrzeuge. Das gilt auch für Modellfahrzeuge: Es muss getestet werden, vor allem die Knackpunkte, und das sind in der Regel Fahrten über Weichenverbindungen. Zu diesem Zweck habe ich mir eine kleine Test-Anlage gebaut, die aber auch über das Einfahren und Testen von Loks hinaus das Ausprobieren verschiedener Computer-Steuerungen und schlicht außerhalb meiner großen Fahranlage ein wenig Rangierspaß ermöglicht. Zu diesem Zweck ist sie umschaltbar gebaut, so dass ich sie sowohl mit einem Analog-Trafo, als auch mit meiner Selectrix®-Zentrale und diversen Modellbahn- Steuerungen fahren kann.
 

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Testanlage
1,45 x 0,65 m, Peco Code 55



Für den Digital-Betrieb schaffte ich von rautenhaus digital® eine Selectrix®-Grundausstattung an, die auch durch eine einfache Verkabelung besticht, weil Komponenten wie Weichendecoder oder Belegtmelder zentral oder an beliebiger Stelle eingebaut werden können. Untereinander werden die Bauteile nur mit einem Buskabel verbunden. Für diesen Zweck verfügen alle "Kästchen" über zwei Bus-Buchsen, so dass der Bus nach Belieben durchgeschleift werden kann.

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Die Selectrix®-Zentrale mit Computer-Interface und Stromversorgung.





 
Bild 3

Die Frontseite der Zentrale mit Programmier-Gleis.
Bild 4
 
Hier sind ein Weichendecoder und ein Belegtmelder am Anlagenrand eingbaut worden. Nur ein Kabel geht zur Zentrale, die weitere Bus-Verbindung findet durch das kurze Kabel statt. Die nächste Buchse ist frei für eine weitere Verbindung zu einer weiteren Komponente.  

Etwas eingehender konnte ich die Testanlage bereits mit Railware betreiben. Dieses Programm ist für mich der Favorit im Bereich der digitalen Modellbahn. Der Gleisplan für das Bildschirmstellwerk (das leider keinerlei Ähnlichkeit mit einem EStW des Vorbildes hat) ist schnell erfasst.

Bild 5

Gleisbild in railware.


Man sieht die Belegung der Blöcke durch zwei Züge und die Stellung der Signale. Der rote Pfeil zeigt die Fahrtrichtung an.

Die Parametrisierung des Programmes ist komfortabel zu handhaben und im Prinzip gut zu verstehen, und es gibt fast nichts, was nicht pro Zug individuell einstellbar ist. Man benötigt mit railware auch tatsächlich nur die Blöcke als Belegtmelder-Abschnitte, was weitere Gleisabschnitte, die dann als Brems- oder Haltepunkte fungieren, überflüssig macht. Eine deutliche Einsparung an Belegtmeldern nebst Verkabelung ist die Folge. Und dennoch halten die Züge punktgenau (+- 2 cm) an jeder vorgegebenen Stelle langsam ausrollend.

Die Zeit-Wege-Berechnung, die dem zugrunde liegt, funktioniert tadellos. Dazu müssen die Loks allerdings einzeln "eingemessen" werden, wozu sie in einen definierten Gleisbereich der Anlage gestellt werden. Die Messfahrten nimmt das Programm dann automatisch mit ständig steigender Fahrstufe vor.

Die so ermittelten Werte, die das Programm im Lok-Profil dauerhaft speichert, sind natürlich nur verlässlich, wenn die Loks auf Dauer ein relativ gleichmäßiges Fahrverhalten an den Tag legen. Hier kommen die modernen Lok-Decoder ins Spiel, die fast ausnahmslos mit einer Lastregelung aufwarten (in meinen Augen ein wesentliches Argument für Digitalbetrieb). Diese Regelung garantiert durch ständigen Soll-Ist-Vergleich ziemlich genau die Einhaltung der vorgegebenen Geschwindigkeit, ob die Lok nun solo fährt oder mit einer Anhängelast, ob bergauf oder bergab. Damit ist es naturgemäß für ein Steuer-Programm möglich, voraus zu berechnen, wann eine fahrende Lok welchen Punkt auf der Anlage erreicht haben wird, so dass es z. B. die notwendigen Bremsmanöver unter Berücksichtigung des zur Verfügung stehenden Ausrollweges rechtzeitig einleiten kann.

Etwas Wasser muss ich allerdings in den Wein gießen: Die Zeit-Wege-Berechnung setzt - eigentlich eine Selbstverständlichkeit - exakt verlegte und saubere Gleise voraus! Kontaktstörungen und daraus resultierende Aussetzer einer Lok, die ja nicht an die Zentrale rückgemeldet werden, führen naturgemäß zu falschen Annahmen des Programmes über die Zugposition, vor allem deshalb, weil - zumindest die SLX-Decoder - die bisher gefahrene Geschwindigkeit nicht speichern, sondern nach einem solchen Aussetzer wieder mit Fahrstufe 1 beginnen. Dann ist es natürlich aus mit einem exakten Halt am vorgesehenen Punkt. Da das Programm annimmt, die Lok sei mit bisheriger Geschwindigkeit gefahren, bremst es den Zug zu früh ab, so dass er dann z. B. bei einer Bahnhofseinfahrt in der Weichenstraße stehen bleibt, anstatt am Bahnsteig anzuhalten. Wer denkt, dass er solchen Problemen nicht aus dem Wege gehen kann, der sollte dann vorsichtshalber eben doch zusätzliche Haltepunkte in seine Blöcke einbauen und im Programm konfigurieren.